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Eine Kulturrevolution

Auch die (für internationale Beobachter zusätzlich auf Englisch 

abgedruckten) Linernotes zum nun erscheinenden zweiten Teil der 

"Schnitzelbeat"-Kompilation eröffnen mit dem Stadthallen-Auftritt der 

Stones. Die vor zwei Jahren von "Schnitzelbeat Vol. 1 - I Love You, 

Baby!" mit obskuren Mörderballaden, tropischem Geister-Cha-Cha und 

halbwilder Blue-Jeans-Musik aus der Vorstadt dokumentierte, sich 

anbahnende Kulturrevolution war also bereits in vollem Gange. Der 

Nachfolger sichtet entlang der Pole Beat und Garagenrock Fundstücke aus 

den Jahren 1964 bis 1970 und fördert dabei zahlreiche Preziosen zutage. 

Zu verdanken hat man diese der Kulturinitiative Trash Rock Archives um 

den Musiker, Autor und Plattensammler Al Bird Dirt, die einmal im Monat 

auch den Accordia-Schallplatten-Club im Wiener Rhiz abhält.

 

Die Bands der Zeit hießen The Slaves, The Boys, The Desperates, The 

Counts und The Seals, augenzwinkernd aber auch The Lost Generation und, 

in Vorbereitung darauf, dass der erste Ameriganer bald auf dem Mond 

landen würde, The Rockets. Sie spielten auf Zeltfesten und zum 5-Uhr-Tee 

und nahmen an der maximal peterkrausenden Kernindustrie vorbei in 

kleiner Auflage ihre Schallplatten auf. Wir hören nach internationalem 

Vorbild groovenden Rhythm and Blues, schneidige Surfinstrumentals, 

schludigres Garagengeschepper, harmonieseligen Gruppengesang und 

psychedelische Einschübe mit Hammondorgel und Halleffekt ebenso wie sehr 

oft das Wort "girl" und mal besseres und mal sehr österreichisches "Wis 

ju"-Englisch.

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